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Welt am Sonntag, Nr. 4 vom 23. Januar 2005, Seite 93
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Kachelöfen liegen im Trend

Theo Holtebrinck hat sich auf die Restaurierung antiker Exemplare spezialisiert. Heizen wie das Bürgertum im Biedermeier zum Preis eines Luxusautos

Wer die Alte Schule in Mürnsee bei Bad Heilbrunn betritt, begibt sich auf eine Zeitreise. Kachelöfen aus mehreren Jahrhunderten und verschiedenster Stilrichtungen empfangen den Besucher, manche bis zur Decke der hohen Räume reichend. Biedermeier neben Klassizismus, Art deco neben Barock, Öfen aus Deutschland neben solchen aus Südtirol, Schweden oder dem Baltikum. Schlicht die einen, verspielt die anderen.

„Kachelöfen haben Persönlichkeit und verleihen jedem Haus eine sinnliche Atmosphäre. Sie spenden nicht nur Wärme, sie erzählen auch ein Stück Geschichte", sagt Theo Holtebrinck, 57, der sich auf das Geschäft mit alten Kachelöfen spezialisiert hat.

Weit über fünfzig Stück hat er hier aufgebaut. Im Lager kommen noch einmal 200 Modelle hinzu. „Wer einmal einen Kachelofen erlebt hat, wird nie mehr darauf verzichten wollen", sagt er. Seit rund dreißig Jahren dreht sich sein Leben um die historischen Wärmespender. Als Student der Archäologie begann diese Leidenschaft die bis heute nicht erloschen ist. Damals restaurierte er antike Keramik und verkaufte sie auf dem Schwabinger Flohmarkt. Dabei stieß Holtebrinck auf alte Öfen, die niemand mehr haben wollte.

Erst mit der Energiekrise 1972 kam der Wandel. Alternativen zum Heizöl waren auf einmal wieder gefragt. Holtebrinck fand einen pensionierten Ofensetzer, der ihn das Handwerk lehrte. Heute mauert er selbst den Brennraum und schleift per Hand die Kacheln in die perfekte Paßform.

Holtebrinck ist in ganz Europa unterwegs, sucht in verlassenen Bauernhöfen, skandinavischen Bürgerhäusern und russischen Datschen. „Gerade im Baltikum gehörten stilvolle Kachelöfen bis in die 30er Jahre zur Grundausstattung der Häuser", erzählt er. Holtebrinck sieht sich aber nicht als reinen Händler, der nur seine Gewinnspanne zum Preis addiert. Viele der Öfen sind beschädigt und müssen von ihm mit viel Geduld und Autwand restauriert werden.

Bereits für die Reise betreibt der Spezialist einen immensen Aufwand. Stück für Stück und mit großer Umsicht baut er die Öfen ab. Keine Fliese darf zerbrechen, kein Millimeter Glasur abspringen. Jedes Einzelteil wird numeriert, so die Position in der Ofenarchitektur markiert. Sorgsam in Kisten verpackt, wird das Puzzle dann in Holtebrincks Werkstatt nach Bad Heilbrunn verfrachtet.

Daß antike Kachelöfen nicht zu Schnäppchenpreisen zu haben sind, liegt auf der Hand. Doch nicht immer sind selbst 100 Jahre alte Stücke unbedingt teurer als neue. Die Preise bewegen sich zwischen 5000 und 60 000 Euro. Ein absolutes Spitzenstück, das auch für Museen interessant ist, ist ein Braunschweig-Lüneburgischer Ofen von 1748 mit handbemalten, blauen Kacheln und gußeisernem Brennraum für 68 000 Euro.

„Wer glaubt, ein Kachelofen würde bloß in ein Bauernhaus oder in ein Chalet passen, unterschätzt die stilistische Vielfalt gewaltig", betont Holtebrinck. Seine Öfen schmücken Häuser in ganz Europa. „In Sachen Eleganz können Ofen es mit jedem hochherrschaftlichen Kamin aufnehmen." Kunden sind vor allem Anwälte, Ärzte und Unternehmer, die etwas Besonderes wollen.

Jeder zweite Ofen wird in neue Häuser eingebaut. „Männer legen vor allem Wert auf Technik, Frauen schätzen Ästhetik. Hoch im Kurs liegen derzeit schwedische Öfen, weil sie weiß und schlicht sind. Durch ihre zeitlose Schönheit passen sie zu jeder Art von Einrichtung", so Holtebrinck.

Aber auch bayerische Sesselöfen erfreuen sich gerade bei jungen Leuten großer Beliebtheit, weil man auf ihnen mit Pfanne und Wok kochen kann. „Öfen darf man die Zeit anmerken, aber man soll sie ihnen nicht ansehen", betont Holtebrinck. Nach alter Hafner-Manier mauert er jedes Stück mit Lehm auf und stattet es mit neuem Innenleben aus. Dann wird der Ofen von Fachleuten nach modernen Abgasnormen aufgebaut und in Betrieb genommen. So, sagt der Ofenspezialist, garantiert er auch für nächste Generationen gesunde Strahlungswärme.

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Theo Holtebrinck – Antike Kachelöfen
Mürnsee 13, D-83670 Bad Heilbrunn, Telefon: 08046-1748, Telefax: 08046-8046
www.antike-kacheloefen.de, eMail: info@antike-kacheloefen.de

Produziert von Thomas Borghoff