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Schöner Wohnen, Januar 1/1998, Seite
108ff
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Eigentlich kann Theo Holtebrinck (49) nichts so schnell aus der Ruhe bringen. Aber beim Thema Fugen sieht der Mann rot: »Die hat es früher nie gegeben. Damals wurden die Kanten der Kacheln geschliffen und, knirsch, aufeinandergesetzt. Da wurde nichts vermörtelt!« Sein Zorn gilt heutigen Ofensetzern, die - wie andere Handwerks zweige auch - kaum noch etwas von der traditionellen Technik des Kachelofenbaus wissen. Aber es gibt ja Enthusiasten, wie den Westfalen Theo Holtebrinck, für die schon allein das Forschen danach zur Passion wird. »Altes fasziniert mich«, erzählt er. Während seines Archäologiestudiums mach te er Praktika bei Restauratoren, reparierte antike Vasen und verdiente sich sein Geld fürs Studium als Flohmarkthändler. Trödelware fand er vorwiegend in Österreich. Als nach der Ölkrise 1972 plötz lich eine große Nachfrage nach alternativen Heizquellen einsetzte, war der Alpenraum für Holtebrinck die ideale Fundgrube für antike Kachelöfen: »Ich habe sie wieder hergerichtet, aber ich fand niemanden, der die Öfen aufbauen konnte oder wollte.« Darum macht Theo Holtebrinck auch das heute selbst: »Alles, was ich über alte Techniken weiß, habe ich von einem pensionierten Kachelofenbauer im Allgäu gelernt«. Zum Beispiel, wie man Grundöfen fachgerecht auf baut und daß man Lehm statt Feuerzement dafür verwendet. Mit Lehm aufgemauerte Öfen trocknen langsam aus, eine gute Vorbeugung gegen Risse. Und sie lassen sich problemlos wieder ab- und anderswo aufbauen, was die Kacheln eines fest einzementierten Ofens verübeln. Holtebrinck erfuhr, daß man gerissene Kacheln nicht kitten muß (»Da strömen keine Rauchgase aus!«) und eben die Sache mit den nicht not wendigen Mörtelfugen. Falsch aufgebaute Öfen sieht man sogar in Heimatmuseen - das schmerzt ihn.
Was seine Kachelöfen so wertvoll macht, ist das Ergebnis reiner Handarbeit. Holtebrinck greift zum Schleifstein und nicht zur Maschine, wenn die Kanten der Kacheln uneben sind, fehlende Stücke gießt er aus Alabastergips nach und lackiert sie. »Tonplatten vom Keramiker sind mir nicht fein genug, und die heutigen Glasuren passen farblich nicht«, so seine Erfahrung. »Natürlich sind die meisten Kachelöfen aus dem Alpenraum rustikal, aber rustikal muß ja nicht grob sein.«
Wenn ein Ofen aufgebaut wird, tritt Ehefrau Markéta in Aktion: Mit Reparaturmasse und Lacktöpfen ausgerüstet, modelliert sie an Ort und Stelle abgebrochene Teile wie Blätter oder Ornamente nach und hat ein besonderes Geschick darin, den passenden Farbton zu mischen. Seit neun Jahren leben und arbeiten die beiden in den Räumen einer ehemaligen Schule. Zu ihnen kommen Antiquitätenhändler, Architekten, Denkmalschützer und private Liebhaber von Kachelöfen, die Kontakte reichen von Bornholm bis Bozen. Dem entsprechend umfangreich ist auch das Angebot. Und die Preise? »Ein Ofen, der vor 25 Jahren noch 3000 Mark gekostet hat, kann heute gut 80 000 Mark wert sein«, weiß Theo Holtebrinck. Antike Öfen aus seiner Hand sind nicht nur wieder voll funktiontüchtig, sondern auch eine Wertanlage. Mit steigender Tendenz.
Produziert von Thomas Borghoff
Produziert durch Thomas Borghoff